Mit dem EU Green Deal und den diesbezüglich konkretisierten Regulierungen wie dem EU-Lieferkettengesetz CSDDD und den verschärften Berichterstattungspflichten (ESRS) im Rahmen der Corporate Sustainability Reporting Directive CSRD, dem Grenzausgleichsmechanismus CBAM und auch den Plänen hinsichtlich des Zertifikatehandels im EU Emissions Trading System (EU ETS) schien der Weg in Richtung mehr Nachhaltigkeit in der EU geebnet. Doch das Klagen und die Lobbyanstrengungen der Industrie waren, teils begründbar, groß. Mit dem Rechtsschwenk in vielen europäischen Staaten und vor allem nach der Wahl von Donald Trump als US-Präsident sollen nun im Rahmen des Omnibus-Pakets die Nachhaltigkeitsanforderungen abgeschwächt bzw. zeitlich gestreckt werden. Angesichts des Aussteigens vieler institutioneller und privater Investoren aus Nachhaltigkeitsfonds und entsprechenden Initiativen der Finanzbranche, sinkt der Druck auf die Unternehmen massiv, zügig in Richtung Net Zero zu gehen.
Trotz der augenscheinlich schwierigen Zeiten, investiert die Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) bereits seit geraumer Zeit viel Engagement in eine nachhaltige Ausrichtung. Prof. Dr. Ronald Bogaschewsky, Inhaber des Lehrstuhls für BWL und Industriebetriebslehre, wirkt bei dieser Nachhaltigkeitsoffensive aktiv mit. So wurde unter anderem eine Nachhaltigkeitsstrategie erarbeitet, es wurde die Initiative Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) unter Einbindung aller Fakultäten erfolgreich gestartet und das WueLab, ein „Labor“ für Transformationsexperimente an der Uni gegründet. Die BNE erhielt kürzlich mit dem Nationalen Preis für Bildung für Nachhaltige Entwicklung bereits eine Auszeichnung für ihre Arbeit. Zwar sind einige Universitäten bereits vor mehreren Jahrzehnten mit dem Thema Nachhaltigkeit gestartet; der umfassende und fakultätsübergreifende Ansatz an der JMU ist dafür aber vorbildlich, wenn nicht in Deutschland einzigartig.
Aber ist die JMU damit auf einer Einbahnstraß unterwegs? Wohl kaum! „Die Anforderung, für uns Menschen und den Planeten als Ganzes eine gute Zukunft zu ermöglichen, geht nicht weg, nur weil auf politischer Ebene einseitig eine kurzfristig gedachte wirtschaftsfreundliche Politik präferiert wird und teilweise wissenschaftsfeindliche Klimawandelleugner das Sagen haben. Im Gegenteil, wir sollten unsere Anstrengungen verstärken, junge Menschen in Sachen Nachhaltigkeit gut auszubilden und dies in die vielfältigen Studiengänge auf kluge Weise einpassen. Die planetaren Grenzen sind naturwissenschaftliche Fakten und lassen sich nicht politisch wegdiskutieren.“ erklärt Professor Bogaschewsky.
„In gleicher Weise sollten sich Unternehmen jetzt nicht einbilden, sie könnten in Sachen ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit jetzt die Füße hochlegen und abwarten.“ erläutert Prof. Bogaschewsky weiter. „Die Realität wird auch die Wirtschaft allein schon in Sachen Ressourcenknappheit und den damit verbundenen Abhängigkeiten, aber auch durch die prognostizierten immensen klimawandelbedingten Schäden schnell einholen. Hier wird für das Jahr 2050 ein Rückgang des globalen Bruttoinlandsprodukts von knapp 20 Prozent prognostiziert und wir sind auf „gutem“ Wege dahin, schaut man sich die heutigen kalkulierten Umweltkosten an. Wenn schon Nullwachstum als schlimm empfunden wird, sind dies katastrophale Ansagen.“
Eine aktuelle Studie, die vom Lehrstuhl für BWL und Industriebetriebslehre von Prof. Bogaschewsky durchgeführt wurde, zeigt auf, dass dort, wo die mit großem Abstand meisten Treibhausgasemissionen und Umweltschäden entstehen, nämlich in der Lieferkette der Unternehmen, bisher bestenfalls eine Sensibilisierung stattgefunden hat. Diese Sensibilisierung umfasst in der Regel lediglich Gespräche über die Rolle der Treibhausgasemissionen, die damit verbundenen und dadurch entstehenden Kosten sowie ein Hinweis, dass man sich Gedanken machen sollte, etwas zu tun. Prof. Bogaschewsky erläutert hierauf: „Angesichts der Überschreitung von sieben der neun planetaren Grenzen und einer sehr kurzen berechneten maximalen Reaktionszeit hierauf, damit wir überleben können, erscheint dies absurd. Das Motto „Don’t look up“, frei nach der gleichnamigen US-Komödie, dürfte ins Desaster führen.“
Anlässlich dieses wichtigen Themas führt Prof. Bogaschewsky am 13. Mai 2025 mit renommierten Einkaufschefs aus der Industrie den 4. Würzburger Nachhaltigkeitstag durch. Die dortigen Diskussionen dürften einiges an „Sprengstoff“ beinhalten.
Mehr Informationen und Studienergebnisse:
Prof. Dr. Ronald Bogaschewsky
Lehrstuhl BWL2
Julius-Maximilians-Universität Würzburg
0931-3182936
boga@uni-wuerzburg.de
https://www.wiwi.uni-wuerzburg.de/lehrstuhl/bwl2
