Prof. Dr. Victor Klockmann und Prof. Dr. Alicia von Schenk haben erfolgreich eine Forschungsförderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in Höhe von rund 260.000€ für ihr Projekt „Selective Information Processing: A Field Experiment on De-Biasing“ eingeworben. Im Rahmen der Förderung wird für Victor Klockmann eine 75%-Doktorandenstelle über drei Jahre finanziert; Alicia von Schenk erhält Mittel für die Durchführung der Experimente und Datenerhebungen.
Ausgangspunkt der Studie ist die Beobachtung, dass ein großer Teil der Informationen, die wir konsumieren, heute algorithmisch vorselektiert wird, insbesondere in sozialen Medien. Diese personalisierte Auswahl kann systematisch verzerrte Schlussfolgerungen begünstigen: Menschen unterschätzen etwa Abhängigkeiten zwischen Informationen (correlation neglect) oder berücksichtigen nicht, welche Informationen ihnen gar nicht angezeigt werden (neglect of unobserved information). Solche kognitiven Verzerrungen können die Anfälligkeit für Desinformation erhöhen und gesellschaftliche Polarisierung verstärken.
In Kooperation mit dem Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration wurde eine interaktive Online-Plattform entwickelt, auf der diese Mechanismen anschaulich vermittelt werden. In einem groß angelegten randomisierten Feldexperiment wird untersucht, ob gezielte aufklärende Interventionen – etwa durch simulierte Social-Media-Feeds und spielerische Elemente – dazu beitragen können, Informationsverarbeitung nachhaltiger und weniger verzerrt zu gestalten. In mehreren Erhebungswellen misst das Forschungsteam sowohl kurz- als auch längerfristige Effekte auf Überzeugungen, Mediennutzungsabsichten und tatsächliches Informationsverhalten.
Das Projekt basiert auf mehreren komplementären Stichproben: Zum einen untersuchen sie Personen, die regulär auf die Plattform gelangen und dort freiwillig an der Studie teilnehmen – diese Datenerhebung läuft bereits. Ergänzend wird über ein Umfrageinstitut ein für Deutschland repräsentatives Sample nach Alter, Geschlecht und Bildung rekrutiert, um belastbare Aussagen für die Gesamtbevölkerung zu ermöglichen. Darüber hinaus wird eine Stichprobe von Erstwählerinnen und Erstwählern (18–24 Jahre) aufgebaut, um Effekte in einer politisch besonders sensiblen Phase der Meinungsbildung gesondert zu analysieren.
Das Forschungsprojekt wird in Kooperation mit Prof. Dr. Ferdinand von Siemens (Goethe-Universität Frankfurt) und Prof. Dr. Andreas Grunewald (Frankfurt School of Finance & Management) durchgeführt und von Luca Capillera (JMU) unterstützt. Ziel ist es, evidenzbasierte Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie individuelle Informationsverarbeitung verbessert und damit langfristig zu fundierten Entscheidungen und größerer gesellschaftlicher Resilienz beigetragen werden kann.

