Wie kann Künstliche Intelligenz dazu beitragen, die Wettbewerbsfähigkeit regionaler Unternehmen zu stärken? Welche Voraussetzungen braucht erfolgreicher Technologietransfer – und welche Rolle spielen Wissenschaft, Politik und Wirtschaft dabei gemeinsam? Mit diesen Fragen beschäftigte sich die Podiumsdiskussion des Projekts KI-Regio am 13. Mai 2026 im Audimax der Universität Würzburg.
Die Veranstaltung brachte Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft, Verbänden und Politik zusammen, um über aktuelle Entwicklungen, Herausforderungen und Perspektiven beim Einsatz von KI in Unternehmen zu diskutieren. Im Mittelpunkt stand dabei insbesondere die Frage, wie kleine und mittlere Unternehmen in Mainfranken von KI-Anwendungen profitieren können.
In der Begrüßung durch Universitätspräsident Paul Pauli verwies dieser auf die dynamische Entwicklung der Universität Würzburg und die Bedeutung von Zukunftsthemen wie Künstlicher Intelligenz – auch im Kontext der Bewerbung um den Exzellenzstatus.
Im anschließenden Impulsvortrag stellte Richard Pibernik, Professor für Logistik und Quantitative Methoden in der BWL an der Universität Würzburg sowie Projektleiter von KI-Regio, die Entwicklung des Projekts sowie zentrale Erkenntnisse aus der Zusammenarbeit mit regionalen Unternehmen vor. Besonders deutlich wurde dabei, wie rasant sich KI-Technologien in den vergangenen zwei Jahren weiterentwickelt haben: Während zu Beginn des Projekts vor allem einfache Einzelaufgaben im Fokus standen, gewinnen heute zunehmend agentische Systeme an Bedeutung, die ganze Arbeitsabläufe unterstützen und automatisieren können.
Gleichzeitig betonte Pibernik, dass gerade mittelständisch geprägte Regionen wie Mainfranken großes Potenzial besitzen, KI erfolgreich einzusetzen: Nicht zwingend die größten Modelle seien entscheidend, sondern die Fähigkeit, konkrete Anwendungen sinnvoll und praxisnah umzusetzen. Als Beispiele erfolgreicher Transferprojekte nannte er unter anderem die Ausgründung SOLISTIQ, die Entwicklung personalisierter Stromtarife gemeinsam mit den Stadtwerken Schweinfurt sowie das Projekt „City Radar“, das mithilfe von KI Passantenströme in der Würzburger Innenstadt prognostiziert.
Im Zentrum der anschließenden Podiumsdiskussion standen die Chancen und Herausforderungen der KI-Implementierung in Unternehmen. Diskutiert wurden unter anderem Fragen der Wettbewerbsfähigkeit, des Fachkräftemangels, der Digitalisierung sowie regulatorische Rahmenbedingungen.
Christine Völzow, Geschäftsführerin der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V., verwies darauf, dass Bayern beim Einsatz digitaler Technologien und KI im Bundesvergleich bereits gut aufgestellt sei. Gleichzeitig brauche es jedoch weiterhin niedrigschwellige Unterstützungsangebote und praxisnahe Informationszentren, um Unternehmen bei der Einführung von KI-Anwendungen zu begleiten und bestehende Unsicherheiten abzubauen.
Auch Markus Blume, Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, hob die Bedeutung leistungsfähiger Innovationsökosysteme hervor. Entscheidend seien insbesondere Talente, starke Hochschulen sowie der schnelle Transfer neuer Technologien in marktfähige Anwendungen. Mit Blick auf internationale Entwicklungen betonte Blume, dass Europa und Deutschland beim Thema KI nicht den Anschluss verlieren dürften: „Das größte Risiko bei KI ist es, nicht dabei zu sein.“
Praxisnahe Einblicke lieferte zudem Frank Schmähling, Vorstandsvorsitzender der memo AG, dessen Unternehmen bereits intensiv an KI-gestützten Lösungen arbeitet – beispielsweise im Bereich der Bestandsprognosen. Ziel sei es, Prozesse effizienter zu gestalten und gleichzeitig wirtschaftliche Potenziale besser auszuschöpfen.
Deutlich wurde im Verlauf der Diskussion auch, dass Unternehmen zunehmend konkrete Lösungen und Orientierungshilfen suchen. Themen wie Datenschutz, regulatorische Anforderungen und strategische Integration von KI in bestehende Geschäftsmodelle spielen dabei eine zentrale Rolle.
Im Anschluss an die Diskussion bot ein Get-together Gelegenheit zum weiteren Austausch und zur Vernetzung. Ergänzend fanden praxisorientierte Workshops statt, in denen Unternehmen konkrete Einblicke in KI-Anwendungen und deren Umsetzung erhielten – von KI-Agenten bis hin zu erfolgreichen Einführungsstrategien im Mittelstand.
Die Veranstaltung machte eindrucksvoll deutlich, wie wichtig der enge Austausch zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik für den erfolgreichen Transfer neuer Technologien ist. Gleichzeitig zeigte KI-Regio, welches Innovationspotenzial in der Region Mainfranken steckt – und welche Chancen KI für regionale Wertschöpfung, Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftsfähigkeit bieten kann.
