Der DigiHub CAEHR (CArdiovascular diseases – Enhancing Healthcare through cross-sectoral Routine data integration) arbeitet daran, die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen grundlegend zu verbessern. Die Digitalisierung der Versorgung ist dabei kein rein technisches Thema: Sie betrifft Prozessqualität, Ressourcensteuerung, Effizienz und die Frage, welche Investitionen sich langfristig lohnen. Genau an dieser Schnittstelle bringt sich der Lehrstuhl für Controlling und Interne Unternehmensrechnung (Prof. Dr. Andrea Szczesny) ein.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen – wie eine Herzinsuffizienz oder ein Schlaganfall – führen häufig zu schweren Krankheitsverläufen. Ihre Behandlung verteilt sich über verschiedene Sektoren – vom Rettungsdienst über das Krankenhaus bis zur Rehabilitation und der ambulanten Nachsorge. Dort entstehen Informationsbrüche, die Zeit kosten und die Versorgungsqualität mindern. CAEHR entwickelt Lösungen, die diese Datenlücken schließen sollen und sektorübergreifende Versorgung ermöglichen.
Drei starke Würzburger Säulen
Würzburg ist im CAEHR-Konsortium mehrfach vertreten. Neben den klinischen Partnern der Universitätsklinik und dem Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie (IKE‑B) an der Universität liefert der Lehrstuhl für Controlling und Interne Unternehmensrechnung die gesundheitsökonomische Perspektive, die maßgeblich zur Bewertung des Projekts beiträgt.
Am IKE-B verantwortet Prof. Dr. Peter Heuschmann die Gesamtevaluation des Großprojekts. Gemeinsam mit seinem Team wird das methodische Fundament entwickelt, um Versorgungsqualität und Kosten sowie Prozesse und Patientenergebnisse zu messen. Professorin Szczesnys Lehrstuhl erstellt die gesundheitsökonomische Evaluation, die untersucht, wie digitale Datenflüsse Ressourcen beeinflussen, welche gesamtwirtschaftlichen Potenziale entstehen und welche Lösungen langfristig tragfähig sind.
„Die Digitalisierung im Gesundheitswesen wird nur nachhaltig erfolgreich sein, wenn wir ihren Nutzen nachweisen und wirtschaftlich bewerten. Genau das ist der Beitrag unseres Lehrstuhls.“
– Prof. Dr. Andrea Szczesny
Mit Dana Holzner ist seit Kurzem eine neue wissenschaftliche Mitarbeiterin Teil des Teams. Sie bringt spezifisches Wissen aus dem Gesundheitsbereich mit und vertieft die interdisziplinäre Zusammenarbeit im bundesweiten Netzwerk der Projektpartner.
„Ich freue mich sehr auf die Arbeit in diesem großen Netzwerk. CAEHR verbindet unterschiedliche fachliche Perspektiven. Diese Mischung finde ich spannend für die Weiterentwicklung einer modernen, patientenorientierten Versorgung.“– Dana Holzner
Ergebnisse aus der ersten Förderphase
Auch in der ersten Förderphase des Projekts war der Lehrstuhl beteiligt. In dieser Phase wurden in Würzburg wichtige digitale Bausteine umgesetzt. Besonders hervorzuheben ist die elektronische Übertragung zeitkritischer Schlaganfallinformationen bereits aus dem Rettungswagen direkt in das Klinikinformationssystem. So erhalten die behandelnden Teams frühzeitig die entscheidenden Informationen, wodurch Behandlungszeiten verkürzt und Prozesse effizienter gestaltet werden können.
Auch Reha- und Nachsorgeprozesse wurden digital unterstützt: über sichere Webportale, strukturierte Datensätze und bessere Anbindungen an Forschungsinfrastrukturen.
Professorin Szczesnys Lehrstuhl liefert dazu die gesundheitsökonomische Bewertung. Aus der ersten Projektphase liegen erste Auswertungen vor. Helena Manger, die am Lehrstuhl die ersten Schätzergebnisse erarbeitet hat, berichtet, dass durch die verbesserte digitale Schnittstelle zwischen Rettungsdienst und Notfallversorgung die Kosten in der Akutversorgung sowie in der Rehabilitation leicht gesunken sind, während im Pflegebereich möglicherweise etwas höhere Kosten entstanden sein könnten. Antonia Streit aus dem Lehrstuhlteam beschäftigt sich im Rahmen ihrer Abschlussarbeit mit solchen sektorübergreifenden Kostenverschiebungen. Sie möchte herausfinden, wie sich digitale Prozessverbesserungen an einer Stelle des Versorgungspfads positiv auswirken können, an anderer Stelle aber neue Bedarfe entstehen lassen.
Perspektive: Vom Würzburger Modell zur nationalen Umsetzung
In der neuen Förderphase wird CAEHR die dargestellten Lösungen weiterentwickeln und bundesweit harmonisieren. Ziel ist es, ein durchgängiges, interoperables Versorgungskonzept zu schaffen, das von der Prävention über den klinischen Aufenthalt bis zur Nachsorge reicht.
CAEHR im Verbund der Digitalen Fortschritts-Hubs
CAEHR ist Teil der bundesweiten Digitalen FortschrittsHubs Gesundheit, einer der wichtigsten Initiativen des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) zur digitalen Transformation der Versorgung. Gemeinsam mit fünf weiteren Hubs arbeitet CAEHR daran, sektorübergreifende Datenflüsse zu etablieren, die perspektivisch in die nationale Digitalstrategie und den entstehenden European Health Data Space einfließen sollen. Damit ist das Projekt ein Baustein für die zukünftige digitale Infrastruktur des gesamten deutschen Gesundheitswesens.
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