Die Luft über Würzburg ist mild an diesem Abend, die Sonne verschwindet langsam hinter der Festung Marienberg, und in den Straßen rund um die Altstadt klappern Fahrräder über das Kopfsteinpflaster. In WGs werden letzte Handgriffe erledigt, Soßen abgeschmeckt, Tische gedeckt. Es ist Running-Dinner-Abend – einer dieser Abende, an denen die Stadt spürbar jünger, lauter und ein bisschen aufgeregter wirkt.
Auch in unserer WG herrscht geschäftiges Treiben. Meine Mitbewohnerin und ich stehen in der Küche, die Lasagne ist fast fertig. Der Duft von Tomatensoße und geschmolzenem Käse liegt in der Luft, während wir immer wieder auf die Uhr schauen. Gleich geht es los zur Vorspeise – und mit ihr in einen Abend voller unbekannter Gesichter. Genau diese Mischung aus Vorfreude und Nervosität gehört für viele Studierende in Würzburg zum Alltag: neue Menschen, neue Orte, neue Geschichten.
Würzburg ist eine klassische Studierendenstadt. Rund ein Drittel der Bevölkerung studiert hier, die Universität prägt das Stadtbild ebenso wie die vielen Cafés, Bars und WGs. Wer neu ankommt, merkt schnell: Kontakte entstehen nicht nur in Vorlesungssälen, sondern vor allem in Küchen, auf Fahrrädern und bei Formaten wie dem Running Dinner.
Unsere erste Station führt uns zu zwei Studentinnen, die Bruschetta mit Avocado vorbereitet haben – frisch, kreativ und liebevoll angerichtet. Wir sind zu sechst, wie es das Prinzip vorsieht: zwei Gastgeberinnen, wir beide und ein weiteres teilnehmendes Pärchen. Anfangs noch etwas zurückhaltend, kommen wir schnell ins Gespräch. Woher kommt ihr? Was studiert ihr? Wie lange seid ihr schon in Würzburg? Fragen, die an
diesem Abend wohl dutzendfach durch die Stadt wandern.
Als wir später die Wohnung verlassen, stoßen wir auf eine Szene, die kaum typischer für das urbane Leben sein könnte: Eine ältere Dame stellt gerade einen Fernseher auf den Gehweg. Daneben ein handgeschriebenes Schild: „Zu verschenken“. Wir bleiben stehen, lachen und fragen nach, ob sie den Fernseher wirklich nicht mehr brauche. „Hier, ihr bekommt sogar die nötigen Anschlusskabel dazu, die brauche ich auch nicht mehr“, sagt sie ganz selbstverständlich. Ein Fernseher, zwei Studierende und zwei Fahrräder – eigentlich keine gute Kombination. Doch wir entscheiden uns spontan: Gemeinsam hieven wir den Fernseher auf meinen Gepäckträger, halten ihn zu zweit fest und schieben die Räder vorsichtig durch die Würzburger Straßen bis zurück zu unserer WG. Passanten schauen verwundert, wir müssen lachen. Solche leicht absurden, improvisierten
Momente sind typisch für das Studierendenleben in Würzburg: gemeinschaftlich, ungeplant und immer ein bisschen chaotisch.
In unserer WG angekommen, sind die Gäste für den Hauptgang bereits da. Vier neue Gesichter, eine volle Küche, lebhafte Gespräche. Wir setzen uns zusammen, lassen uns die Lasagne schmecken und reden über Würzburg, über Studium, Freizeit und das Leben zwischen Mainufer, Altstadt und Campus. Fremde Menschen werden für diesen Moment zu einer kleinen Gemeinschaft.
Nach dem Hauptgang geht es weiter zur Nachspeise – wieder eine neue Wohnung, wieder vier neue Studierende. Es gibt Apfel Crumble, warm, süß und ausgesprochen lecker. Gespräche entstehen fast von selbst, obwohl man sich erst seit wenigen Minuten kennt. Insgesamt zwölf neue Menschen an einem Abend – für viele, besonders für Studierende, die neu in der Stadt sind, eine seltene und wertvolle Erfahrung.
Running Dinner ist damit weit mehr als ein kulinarisches Konzept. Es ist ein Spiegel des studentischen Würzburgs: offen, vernetzt und lebendig. In einer Stadt, in der viele Studierende fernab ihrer Heimat leben, schaffen solche Abende Nähe und Zugehörigkeit.
Als wir spät abends nach Hause kommen – müde, satt und voller Eindrücke – ist klar: Dieser Abend war besonders. Ereignisreich, vielfältig und genau das, was man sich vom Studierendenleben erhofft. Und wir wissen jetzt schon: Wir werden ihn auf jeden Fall wiederholen.
von Tabea Vogel
