Wie sollten Staaten auf Energiekrisen reagieren, ohne dabei den Umstieg auf klimafreundliche Technologien auszubremsen? Dieser Frage widmet sich der neue EconPol Policy Brief „Energy Crisis Relief as Implicit Insurance“, an dem Prof. Dr. Joschka Wanner, Juniorprofessor für Quantitativ International and Environmental Economics, und Dr. Philipp Richter mitgewirkt haben.

Im Mittelpunkt der Publikation steht die Erkenntnis, dass europäische Volkswirtschaften nach wie vor stark von importierten fossilen Energieträgern abhängig sind und dadurch besonders anfällig für internationale Preis- und Versorgungsschocks bleiben. Staatliche Entlastungsmaßnahmen wie Preisbremsen oder Steuersenkungen können zwar kurzfristig helfen, bringen jedoch einen Zielkonflikt mit sich: Sie sollen Haushalte und Unternehmen entlasten, gleichzeitig aber Anreize zum Energiesparen und zur Transformation hin zu klimafreundlichen Technologien erhalten – und dabei praktikabel umsetzbar sein. Die Studie zeigt, dass sich diese drei Ziele häufig nur schwer miteinander vereinbaren lassen.

Die Forschenden weisen zudem auf einen bislang wenig beachteten Effekt hin: Wiederkehrende staatliche Hilfen wirken wie eine implizite Versicherung gegen zukünftige Energiekrisen. Wenn Verbraucherinnen und Verbraucher sowie Unternehmen erwarten, im Krisenfall erneut finanziell entlastet zu werden, sinken die Anreize, den Verbrauch fossiler Energien dauerhaft zu reduzieren oder in klimafreundliche Alternativen zu investieren.

Auf Grundlage der Maßnahmen während der jüngsten Energiekrise berechnet die Studie, dass sich daraus europaweit implizite dauerhafte Subventionen von durchschnittlich rund 18 Euro pro Tonne CO₂ für Erdgas und 10 Euro pro Tonne CO₂ für Erdöl ergeben können. Diese verdeckten Anreize erschweren den Ausstieg aus fossilen Energien und erhöhen langfristig die Anfälligkeit Europas für zukünftige Energiekrisen.

Die Autoren sprechen sich deshalb für gezieltere Entlastungsmaßnahmen aus. Dazu gehören unter anderem niedrigere Stromsteuern, direkte Unterstützung einkommensschwacher Haushalte sowie eine spätere Gegenfinanzierung fossiler Entlastungen über höhere Abgaben auf fossile Energieträger. So könnten akute Belastungen abgefedert werden, ohne die langfristigen Anreize für Dekarbonisierung und Versorgungssicherheit zu schwächen.

Mit ihrer Analyse leisten Prof. Dr. Joschka Wanner und Dr. Philipp Richter gemeinsam mit ihren Koautoren einen wichtigen Beitrag zur aktuellen wirtschafts- und klimapolitischen Debatte. Die Studie macht deutlich, dass wirksame Krisenpolitik kurzfristige Entlastung und langfristige Transformationsziele gemeinsam in den Blick nehmen muss.

Der vollständige Artikel ist auf der Seite des ifo Instituts verfügbar.