Wie können Unternehmen ihre globalen Lieferketten angesichts geopolitischer Spannungen, regulatorischer Veränderungen und wachsender Nachhaltigkeitsanforderungen zukunftssicher gestalten? Mit dieser Frage beschäftigt sich eine aktuelle Studie von Prof. Dr. Ronald Bogaschewsky und Jasmin Möller (beide Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität Würzburg) sowie Prof. Dr. Holger Müller (HTWK Leipzig). Einige der zentralen Ergebnisse wurden nun im Research Network Sustainable Global Supply Chains veröffentlicht. Der Blog wird unter anderem vom German Institute of Development and Sustainability (IDOS) verwaltet. Das IDOS zählt zu den führenden deutschen Forschungseinrichtungen für nachhaltige Entwicklung und arbeitet unter anderem im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Der Beitrag macht die Ergebnisse der Studie einem internationalen Fachpublikum aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft zugänglich.
Die Untersuchung zeigt, dass sich Unternehmen heute einem deutlich komplexeren Risikoumfeld gegenübersehen als noch vor wenigen Jahren. Während internationale Risikoberichte geopolitische Konflikte, Klimawandel und technologische Entwicklungen gleichermaßen als zentrale Herausforderungen identifizieren, nehmen deutsche Unternehmen in Bezug auf ihre Lieferketten vor allem kurzfristig spürbare Risiken wie regulatorische Änderungen, Handelskonflikte, Sanktionen und Zölle in den Blick. Langfristige Risiken wie Extremwetterereignisse oder der Verlust biologischer Vielfalt werden dagegen häufig noch unterschätzt.
Die Studie macht deutlich, dass resiliente Lieferketten künftig einen ganzheitlicheren Blick auf Risiken erfordern. Geopolitische Abhängigkeiten, digitale Bedrohungen, regulatorische Unsicherheiten und ökologische Herausforderungen sollten nicht isoliert betrachtet, sondern als strategische Faktoren in unternehmerische Entscheidungen integriert werden. Denn Resilienz entwickelt sich zunehmend zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor.
Als wichtigste Maßnahmen zur Risikominimierung nennen die befragten Unternehmen den Ausbau langfristiger Partnerschaften mit Lieferanten, eine höhere Transparenz innerhalb der Lieferketten sowie verbesserte Frühwarn- und Monitoringsysteme. Eine umfassende Verlagerung von Beschaffungsstrukturen spielt bislang dagegen nur eine untergeordnete Rolle. Gleichzeitig beobachten die Forschenden eine schrittweise Diversifizierung internationaler Beschaffungsquellen, während bestehende Abhängigkeiten – etwa von einzelnen Rohstoffen oder Technologien – vielfach bestehen bleiben. Generell interessant ist bei nahezu allen Fragestellungen die starke Heterogenität in den Antworten. Während für einige Unternehmen bestimmten Themen „existenziell“ sind und sie sich aus spezifischen Ländern zurückziehen wollen, sehen andere Unternehmen dieselben Risiken als wenig(er) relevant an und steigern ihr Engagement in den jeweiligen Ländern. Pauschalaussagen zu entsprechenden Risiken und generelle Handlungsempfehlungen sollten daher vermieden und die konkreten Umstände für das individuelle Unternehmen analysiert werden.
Aus Sicht der Autorinnen und Autoren reicht ein kurzfristiges Krisenmanagement jedoch nicht aus. Vielmehr sollten Unternehmen Nachhaltigkeit und geopolitische Entwicklungen stärker als langfristige strategische Herausforderungen verstehen. Gleichzeitig plädieren sie dafür, europäische Nachhaltigkeitsregulierungen so weiterzuentwickeln, dass sie Unternehmen nicht nur zusätzliche Bürokratie auferlegen, sondern sie wirksam beim Umgang mit den vielfältigen Risiken globaler Lieferketten unterstützen.
Der vollständige Artikel ist online auf der Seite des Research Network Sustainable Global Supply Chains verfügbar: Global Supply Chains Between Geopolitics and Sustainability: Why Companies Need to Rethink Risk Management
Neben der aktuellen Studie hat Prof. Dr. Ronald Bogaschewsky außerdem die vollständig überarbeitete zweite Auflage seines Sachbuchs „SustainAbility“ veröffentlicht. Darin beleuchtet er die ökonomischen, ökologischen und politischen Dimensionen nachhaltigen Wirtschaftens und zeigt anhand von 16 zentralen Bausteinen auf, welche Herausforderungen und Chancen die gesellschaftliche Transformation mit sich bringt. Die neue Auflage greift dabei unter anderem aktuelle Entwicklungen der europäischen Nachhaltigkeitsregulierung sowie die wachsende Bedeutung geopolitischer Veränderungen für nachhaltiges Wirtschaften auf.
Kontakt
Prof. Dr. Ronald Bogaschewsky, Lehrstuhl für BWL und Industriebetriebslehre, T +49 931 31-82936, ronald.bogaschewsky@uni-wuerzburg.de



