Fast zwei Stunden braucht Marwa Ashsha mit Zug und Bus von Bad Kissingen zum Hubland. Roya Arvand sitzt an manchen Tagen drei Stunden und mehr im Auto, zwischen Schweinfurt und Würzburg. Beide pendeln zum Studium. Sie erzählen von Zugausfällen, Stau und Parkplatzsuche und davon, warum sie trotzdem nicht nach Würzburg ziehen.
Es ist kurz nach sechs Uhr morgens. Marwa Ashsha macht sich in Bad Kissingen auf den Weg zum Bahnhof. 20 Minuten zu Fuß, dann rund eine Stunde Zug, dann noch einmal 30 Minuten Bus vom Würzburger Hauptbahnhof zum Hubland-Campus. Fast zwei Stunden für eine Strecke.
Nicht alle Studierenden der Universität Würzburg wohnen am Studienort. Hohe Mieten, persönliche Lebensumstände oder Studiengänge mit wenig Präsenzpflicht bringen manche dazu, zu pendeln. Wie sieht dieser Alltag aus?
Mit dem Zug: selten da, oft verspätet
Marwa Ashsha pendelt seit ihrem zweiten Semester mit dem Zug, aber nicht täglich. Meist kommt sie nur in Prüfungsphasen oder für Lerntage mit Kommilitoninnen und Kommilitonen nach Würzburg. In ihrem Studiengang könne man viele Tutorien online besuchen, eine Anwesenheitspflicht gebe es nur selten, erzählt sie. Also lerne sie meist zu Hause und tausche sich online mit Freunden aus. Eine Wohnung in Würzburg lohne sich für die wenigen Präsenztage nicht.
„Man weiß nie, ob der Zug wirklich pünktlich ankommt“, sagt sie. Verspätungen seien fast Alltag geworden. Mehr noch belasteten sie die Zugausfälle. An eine Woche im vergangenen Sommer erinnert sie sich genau: An mehreren Abenden fiel ihr Zug gegen 20 Uhr aus, sie musste in den Schienenersatzverkehr. Die Heimfahrt dauerte deutlich länger, die ohnehin langen Tage wurden noch anstrengender.
Inzwischen komme sie damit zurecht. Am meisten hilft ihr die App der Deutschen Bahn. Dort speichert sie ihre Verbindungen und bekommt aktuelle Meldungen zu Verspätungen, Gleiswechseln und Ausfällen.
Mit dem Auto: zwischen Schulschluss und Vorlesung
Roya Arvand, 20, fährt Auto. Sie pendelt zwischen Schweinfurt und Würzburg und arbeitet neben dem Studium an einer Mittelschule. Wann sie losfährt, bestimmt der Unterrichtsschluss. Von der Schule geht es direkt in die Vorlesung. An manchen Tagen muss sie vorher noch ihren Hund Luna bei einem Bekannten abgeben.
„Ohne Auto würde das zeitlich gar nicht funktionieren“, sagt sie. Die Rückfahrt dauere je nach Verkehr bis zu anderthalb Stunden. An Präsenztagen sitze sie insgesamt drei bis dreieinhalb Stunden im Auto. „Im Berufsverkehr steht man oft im Stau.“ Genau planen lasse sich die Fahrzeit kaum.
Dann kommt die Parkplatzsuche. Am Hubland könnten Studierende kostenlos parken, erzählt Roya. Rund um die Neue Universität seien die Plätze dagegen oft belegt oder kostenpflichtig. Viele wichen deshalb auf die Talavera oder das Dallenbergbad aus und führen mit der Straßenbahn weiter. Im Sommer seien diese Plätze wegen Veranstaltungen aber oft nicht nutzbar. „Dann muss man meist am Hubland parken und mit dem Bus weiterfahren.“ Streike der Nahverkehr, werde es noch komplizierter.
Wohnen oder pendeln?
Marwa und Roya sind keine Ausnahme. Nach einer Auswertung des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) wohnen 62,7 Prozent der Studierenden in Deutschland während des Semesters direkt am Hochschulort. Die übrigen leben außerhalb, die meisten von ihnen nicht weiter als 50 Kilometer entfernt. Das betrifft 28,9 Prozent aller Befragten. Grundlage sind Befragungen von mehr als 80.000 Studierenden aus den Jahren 2020 bis 2023.
In Universitätsstädten wie Würzburg ist bezahlbarer Wohnraum knapp. WG-Zimmer sind gefragt, Wohnheimplätze begrenzt.
Wer in Würzburg wohnt, spart Zeit und ist flexibler, zahlt aber mehr Miete. Wer pendelt, spart Miete und verliert Zeit. Im Zug kann man oft lernen. Im Auto ist man flexibler, hängt aber vom Verkehr ab.
Was das Pendeln kostet
Wer an fünf Tagen pro Woche anderthalb Stunden pro Strecke pendelt, ist 15 Stunden in der Woche unterwegs. Mit dem Auto kommen je nach Strecke und Fahrzeug schnell 200 bis 300 Euro Spritkosten im Monat zusammen.
Umziehen ist für Roya trotzdem schwierig. „Ich habe schon nach Wohnungen gesucht, aber in meiner Preisklasse akzeptieren viele Vermieter keinen Hund“, sagt sie. Dazu kämen die hohen Mieten in Würzburg: „Selbst wenn ich umziehen wollte, wäre das gar nicht so einfach.“
Ob Pendeln oder Umzug besser ist, lässt sich nicht pauschal sagen. Es hängt von Studium, Geld und Lebenslage ab. Marwa kämpft mit Verspätungen und Ausfällen, Roya mit Stau und Parkplatzsuche. Für beide beginnt der Studientag nicht im Hörsaal, sondern am Bahnsteig oder auf der Autobahn.
Von Maja Sklorz und Mila Grünewald


