Die geplanten Reformen der gesetzlichen Rentenversicherung sorgen derzeit für intensive politische und gesellschaftliche Debatten. In einem Interview mit der MainPost ordnet Patrick Sturm, ehemaliger wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Personal und Organisation der Universität Würzburg, die möglichen Auswirkungen ein. Der Wirtschaftswissenschaftler hat an der JMU zu früheren Rentenreformen promoviert und forscht zu deren Effekten auf Arbeitsmärkte, Betriebe und Familien.

Sturm macht deutlich, dass Rentenreformen weit über die Rentenpolitik hinausreichen. Eingriffe wie eine Anhebung des Renteneintrittsalters wirkten sich nicht nur auf die Betroffenen selbst aus, sondern auch auf Arbeitsmärkte, innerbetriebliche Strukturen und familiäre Konstellationen. Besonders betroffen seien Beschäftigte in körperlich oder psychisch belastenden Berufen, für die längeres Arbeiten oft deutlich schwieriger sei als für Büroangestellte. Hier brauche es realistische Alternativen, etwa echte und existenzsichernde Teilzeitmodelle im Alter.

In dem Interview verweist Sturm auf Ergebnisse seiner Forschung zur Rentenreform von 1999. Diese habe gezeigt, dass Reformen häufig Kettenreaktionen auslösen: Wenn einzelne Gruppen länger arbeiten müssen, beeinflusst das auch das Erwerbsverhalten von Partnerinnen und Partnern sowie die Beschäftigungssituation jüngerer Generationen. Ob ältere Beschäftigte Jüngeren tatsächlich Jobs „wegnehmen“, hänge stark von der wirtschaftlichen Lage ab. In wirtschaftlich schwachen Phasen könne es jedoch zu spürbaren Spannungen kommen.

Um die Rente langfristig zukunftsfähig zu machen, plädiert Sturm für einen Mix aus verschiedenen Maßnahmen – von Anpassungen beim Renteneintrittsalter und der Finanzierung bis hin zu flexibleren Arbeitsmodellen, die einen gleitenden Übergang in den Ruhestand ermöglichen. Jungen Menschen empfiehlt er, sich auf ein längeres Erwerbsleben einzustellen, kontinuierlich weiterzubilden und bei der Altersvorsorge auf mehrere Säulen zu setzen.

Mit dem Interview leistet Patrick Sturm einen fundierten wissenschaftlichen Beitrag zur aktuellen Rentendebatte und zeigt, wie stark Reformen in diesem Bereich das Arbeits- und Alltagsleben vieler Menschen beeinflussen. Das vollständige Interview ist bei der MainPost online verfügbar.

Patrick Sturm hat über die Reaktionen auf Rentenreformen promoviert. (Foto: Heiko Becker)