Negative Strompreise sind längst keine theoretische Besonderheit mehr. Mehrere Teilnehmende eines Forschungsprojekts mit Beteiligung der Universität Würzburg konnten Ende April und Anfang Mai 2026 sogar erleben, dass sie für ihren Stromverbrauch bezahlt wurden.
Im Rahmen eines Feldversuchs untersuchen die Stadtwerke Schweinfurt, der Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und KI im Unternehmen der Universität Würzburg unter der Leitung von Professor Gunther Gust sowie weitere Projektpartner seit Juni 2025, wie Privathaushalte mit dynamischen Stromtarifen umgehen. Rund 65 Personen aus dem Landkreis Schweinfurt nehmen an der Studie teil.
Besonders eindrucksvoll zeigte sich das Potenzial solcher Tarife am 1. Mai 2026: Aufgrund einer hohen Einspeisung erneuerbarer Energien bei gleichzeitig geringer Stromnachfrage fielen die Preise an der Strombörse zeitweise deutlich unter null. In den Mittagsstunden sank der Endkundenpreis auf bis zu minus 40 Cent pro Kilowattstunde. Wer in dieser Zeit Strom verbrauchte, erhielt dafür eine Gutschrift.
Von diesem Effekt profitierten insbesondere Haushalte mit flexiblen Verbrauchern wie Elektroautos. So konnte ein Teilnehmer durch das gezielte Laden seines Fahrzeugs innerhalb weniger Stunden eine Vergütung von rund fünf Euro erzielen – und verfügte anschließend über eine vollgeladene Batterie für die kommenden Tage.
Im Mittelpunkt des Projekts steht jedoch nicht allein die finanzielle Ersparnis. Die Forschenden interessieren sich vor allem dafür, wie sich das Verhalten der Haushalte durch dynamische Tarife verändert und ob der zusätzliche Aufwand für die Nutzerinnen und Nutzer langfristig attraktiv ist.
Negative Strompreise treten inzwischen immer häufiger auf. Mit dem weiteren Ausbau erneuerbarer Energien rechnen Expertinnen und Experten damit, dass solche Marktphänomene künftig noch häufiger auftreten werden. Die wissenschaftliche Begleitung des Schweinfurter Pilotprojekts liefert deshalb wichtige Erkenntnisse darüber, wie dynamische Stromtarife in der Praxis funktionieren und welche Voraussetzungen notwendig sind, damit Verbraucherinnen und Verbraucher davon profitieren können.
Weitere Informationen zum Projekt und den bisherigen Ergebnissen finden Sie im einBLICK.

