Wie beeinflussen Deadlines unser Verhalten – und warum können kürzere Fristen manchmal wirksamer sein als großzügige? Mit diesen Fragen beschäftigt sich eine Studie von Prof. Dr. Steffen Altmann von der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU), die in einem aktuellen Beitrag des britischen Wirtschaftsmagazins The Economist ausführlich diskutiert wird.

Die Studie „Deadlines and Memory Limitations“, die Altmann gemeinsam mit Christian Traxler (Hertie School) und Philipp Weinschenk (Universität Hohenheim) verfasst hat, erschien 2022 in der renommierten Fachzeitschrift Management Science. In zwei randomisierten Feldexperimenten untersuchten die Forscher, wie unterschiedliche Fristen und Anreize die Terminvereinbarung für zahnärztliche Kontrolluntersuchungen beeinflussen.

Die Ergebnisse zeigen: Eine konkrete Deadline führte dazu, dass Patientinnen und Patienten früher und auch langfristig häufiger einen Termin vereinbarten als ohne zeitliche Vorgabe. Kürzere Fristen beschleunigten die Reaktionen besonders stark, ohne dass dadurch langfristig weniger Termine vereinbart wurden. Interessanterweise wurde der motivierende Effekt von Deadlines sogar dann beobachtet, wenn mit ihrer Einhaltung keine finanziellen oder materiellen Anreize verbunden waren.

Die Befunde deuten darauf hin, dass dabei nicht nur klassisches Aufschieben eine Rolle spielt. Auch begrenzte Aufmerksamkeit und Vergesslichkeit sind relevant: Bei sehr langen oder fehlenden Fristen kann eine Aufgabe mit der Zeit schlicht aus dem Blick geraten. Passend dazu gab in ergänzenden Befragungen eine große Mehrheit der Teilnehmenden an, dass Deadlines ihnen dabei helfen, Aufgaben nicht aufzuschieben oder zu vergessen; zugleich bevorzugten die Befragten selbst vergleichsweise kurze Fristen.

Die zugrunde liegende Frage reicht dabei weit über den konkreten Anwendungsfall hinaus. Für Unternehmen und andere Organisationen stellt sich regelmäßig die Frage, wie Erinnerungen, Fristen oder Anreize gestaltet sein sollten, um Kunden, Beschäftigte oder andere Adressaten zum Handeln zu bewegen. Die Studie zeigt: Nicht nur das Setzen einer Frist an sich, sondern auch deren Ausgestaltung beeinflusst das Verhalten. Gut gewählte Deadlines können so Anreizsysteme wirksamer und kostengünstiger machen.

Der Economist greift die Studie in seinem aktuellen Beitrag als Beispiel dafür auf, wie zeitliche Vorgaben Verhalten beeinflussen und als Instrument in Organisationen eingesetzt werden können. Die erneute internationale Aufmerksamkeit für die Studienergebnisse unterstreicht die direkte Relevanz verhaltensökonomischer Erkenntnisse für Unternehmen und Organisationen.

Der vollständige Beitrag ist online verfügbar.

Prof. Dr. Steffen Altmann (Bild: Universität Würzburg)