Wie verändert Künstliche Intelligenz die Arbeitswelt, welche Chancen bietet sie Unternehmen und wo liegen die Risiken? Mit diesen Fragen war Prof. Dr. Alicia von Schenk, Inhaberin des Lehrstuhls für Economics of AI and Human Behavior der Uni Würzburg am 5. Oktober 2026 in der ZDF-Sendung „WISO“ zu Gast. Sowohl in einem Beitrag über den KI-Einsatz beim Industrieunternehmen Bosch als auch im anschließenden Live-Interview ordnete sie die Auswirkungen der Technologie auf Beschäftigte und Unternehmen wissenschaftlich ein.

Im Filmbeitrag ging es unter anderem um die Frage, ob KI künftig Arbeitsplätze in großem Umfang ersetzen könnte. Prof. von Schenk betonte, dass generative KI insbesondere Büro- und Verwaltungstätigkeiten, aber auch Wissensarbeit beeinflussen kann. Daraus lasse sich jedoch nicht automatisch ableiten, dass entsprechende Stellen tatsächlich wegfallen. Ob Arbeitsplätze verändert oder ersetzt werden, hänge unter anderem von Kosten, betrieblichen Entscheidungen und der Zuverlässigkeit der eingesetzten Systeme ab. Für die Annahme, dass Menschen durch KI irgendwann grundsätzlich überflüssig würden, gebe es bislang keine klare wissenschaftliche Evidenz.

Im anschließenden Live-Interview vertiefte Prof. von Schenk die Frage, wie Unternehmen KI sinnvoll einsetzen können. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen bestehe die Herausforderung darin, mit den Investitionsmöglichkeiten großer Konzerne mitzuhalten. Dabei müsse der Mittelstand nicht unbedingt eigene KI-Systeme entwickeln. Vielmehr könne es sinnvoll sein, gezielt dort anzusetzen, wo beispielsweise Informationssuche oder Dokumentation besonders viel Zeit beanspruchen. KI könne so auch helfen, Personalengpässe abzufedern und vorhandene Beschäftigte bei ihren Aufgaben zu unterstützen. Studien zum Kundendienst zeigten zudem, dass insbesondere weniger erfahrene Mitarbeitende von KI-Systemen profitieren können, wenn diese ihnen den Zugang zu vorhandenem Fachwissen erleichtern.

Ein weiterer Schwerpunkt war das Zusammenspiel von Mensch und KI. Technologisch leistungsfähige Systeme allein machten einen Betrieb noch nicht produktiver, erklärte Prof. von Schenk. Entscheidend sei, wie gut die Technologie in bestehende Arbeitsabläufe integriert werde und wie die Beschäftigten mit ihr arbeiteten. Ihre Forschung beschäftigt sich deshalb unter anderem damit, wie Menschen und KI gemeinsam fundierte Entscheidungen treffen können. Dabei müsse gewährleistet sein, dass Menschen Empfehlungen kritisch prüfen, die Grenzen der Systeme verstehen und tatsächlich in der Lage sind, in Entscheidungen einzugreifen. Verantwortung könne nicht allein dadurch sichergestellt werden, dass Beschäftigte KI-Ergebnisse formal bestätigen.

Auch mögliche Risiken der Technologie kamen zur Sprache – von täuschend echt formulierten Betrugsnachrichten bis hin zum Einsatz von KI bei Cyberangriffen und Waffensystemen. Prof. von Schenk plädierte dafür, in der öffentlichen Debatte zwischen nachgewiesenen Risiken, konkreten Szenarien und allgemeinen Unsicherheiten zu unterscheiden. Neben der Diskussion über mögliche Gefahren sei es wichtig, die bereits heute bestehenden Gestaltungsmöglichkeiten zu nutzen: etwa bei der Prüfung von KI-Systemen, der Vermeidung von Missbrauch und der Klärung von Verantwortlichkeiten.

Das vollständige Interview ist in der ZDF-Mediathek verfügbar.