Prof. Dr. Peter Bofinger, Seniorprofessor für Volkswirtschaftslehre, Geld und internationale Wirtschaftsbeziehungen an der Universität Würzburg, legt in einer neuen wissenschaftlichen Publikation ein wegweisendes Konzept zur wirtschaftlichen Transformation Europas vor. Unter dem Titel „A New Schumpeterian Growth Theory (NSGT): the way out of Europe’s middle-technology trap“ entwickelt er einen theoretischen Ansatz, der einen Ausweg aus der im Draghi-Report beschriebenen „Mid-Technology Trap“ aufzeigt – einer Situation, in der Europa bei Schlüsseltechnologien hinter führende Innovationsregionen zurückzufallen droht.

Bofinger kritisiert, dass die neoklassische Wachstumstheorie nur begrenzte Orientierung bietet, da sie Innovation als einen kontinuierlichen, risikoarmen Prozess einzelner Marktakteure darstellt. Dadurch bleibt die Rolle zentraler Akteure wie Unternehmerinnen und Unternehmer, Banken oder staatliche Institutionen weitgehend unberücksichtigt. Traditionelle wirtschaftspolitische Empfehlungen basieren daher häufig auf einem rein angebotsorientierten Ansatz, bei dem der Staat eher als Hemmnis denn als aktiver Gestalter wirtschaftlicher Entwicklung betrachtet wird.

Mit der New Schumpeterian Growth Theory (NSGT) knüpft Bofinger an zentrale Ideen von Josef Schumpeter an und erweitert sie um aktuelle wirtschaftliche Herausforderungen. Die NSGT betont unter anderem

  • die entscheidende Rolle des Finanzsektors bei der Finanzierung von Innovationen,
  • die Bedeutung von Risiko und Unsicherheit im Innovationsprozess,
  • den disruptiven Charakter technologischen Fortschritts sowie
  • die Wechselwirkungen zwischen Wachstum und Inflation.

Während Schumpeter traditionell „den Banker“ als zentrale Figur bei der Auswahl vielversprechender Innovationsprojekte sieht, zeigt Bofinger anhand internationaler Beispiele – insbesondere aus Asien –, dass auch staatliche Institutionen diese Rolle erfolgreich übernehmen können.

Für Europa bedeutet dies: Der Weg aus der technologischen Stagnation führt nicht über eine Reduktion staatlicher Einflussnahme, sondern über eine stärkere und strategisch ausgerichtete Industriepolitik. Nur durch aktives staatliches Handeln, gezielte Investitionen und die Förderung disruptiver Innovationen könne der Kontinent seine Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern.

Die Publikation liefert damit einen wichtigen Impuls für die wirtschaftspolitische Debatte in Europa – und zeigt, wie ein moderner schumpeterianischer Ansatz neue Perspektiven für Wachstum und technologischen Fortschritt eröffnen kann.

Darüber hinaus war Prof. Dr. Peter Bofinger in den vergangenen Wochen in mehreren überregionalen Medien und Fachpublikationen präsent. So veröffentlichte er im Wirtschaftsdienst einen Leitartikel zur künftigen Ausrichtung der Finanzpolitik. In der ZEIT diskutierte er in einem Streitgespräch mit Quentin Gärtner, dem Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, die Frage „Schröpfen die Boomer die Jungen?“. Zudem sprach er in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung über die Rolle von Stablecoins und Innovationen im Zahlungsverkehr. Im Handelsblatt war er außerdem an einem Streitgespräch mit EZB-Berater Jürgen Schaaf zum digitalen Euro beteiligt. Diese Beiträge unterstreichen seine aktive Rolle in der ökonomischen Debatte sowie seine kontinuierliche wissenschaftliche und gesellschaftspolitische Präsenz.

Prof. Dr. Peter Bofinger (Bild: Universität Würzburg)